Beschreibung
x2. negative spaces – positive bodies.
Die Skulpturen der Serie x2 entstehen aus einer Form, einem quasi losen Verbund von Formen, die es im fertigen Objekt nicht mehr gibt: einem fragilen Bau aus dutzenden kleiner, quadratischer Gipswürfel. Diese Würfel bilden eine temporäre Architektur, die die Porzellanmaße nur ein einziges Mal berührt, sie abstößt – um letztlich ganz zu verschwinden. Was bleibt, ist der Abdruck ihrer Abwesenheit: ein Körper, der aus Negativräumen hervorgeht.
Jedes einzelne Quadrat der Oberfläche ist das Spiegelbild eines Gipswürfels. Jeder Gipswürfel eine nicht perfekte Produktion. Tendenz quadratisch. Die Skulptur wird so zu einem Archiv eines „verlorenen Zustands“ – sie bewahrt eine Konstruktion, die nie dafür gedacht war, dauerhaft zu existieren. Das endgültige Objekt ist nicht die Form selbst, sondern die Porzellan gewordene Spur ihres Verschwindens. x2 ist ein positives Volumen, das vollständig durch negative Formen definiert ist.
Die Außenhaut zeigt eine zweite Schicht dieses Verschwindens: eine chaotische, gestische Glasur, die mit breiten, unkontrollierten Strichen über das rohe Porzellan gezogen wurde. Diese Schicht widerspricht der Strenge und Rohheit des Rasters. Sie überzeichnet es, stört es, überlagert es. Während das Raster an die Ordnung erinnert, die die Gipswürfel vorgaben, markiert die Glasur den Moment des Loslassens – ein spontanes, körperliches Handeln, voller Lust – entgegen der zuvor benötigten Präzision.
Innen hingegen bleibt die Skulptur ruhig und geschlossen. Die Glasur im Inneren bildet eine glatte, stille Schicht, einen Kontrast zur rauen Außenwelt. Dieser Innenraum ist das einzige Element, das nicht durch Abwesenheit, sondern durch Präsenz entsteht: ein geschützter Kern, der die Arbeit verankert.
x2 verhandelt damit zwei zentrale Spannungen: Zwischen Struktur und Auflösung. Zwischen dem, was fehlt, und dem, was bleibt. Das Werk versteht Form nicht als etwas, das geformt wird, sondern als etwas, das sich ergibt – aus dem Wegfall von Material, aus Spuren, aus Resten eines Prozesses. Die sichtbaren Unregelmäßigkeiten, die Brüche, Fragmente, die chaotischen Überlagerungen sind provozierte Fehler, das Lebendige dieser Skulpturen.
Sie erzählen davon, dass jedes Objekt ein sedimentierter Prozess ist – und dass das Fundament seiner endgültigen Erscheinung nicht in seiner Präsenz liegt, sondern in seiner Abwesenheit.

































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